B-Vitamine / Homocystein
Sinnvoll oder nicht?

Prof. Dr. Olaf Stanger zu VISP- und NORVIT-Studie (2006)
Kurzfassung eines Interviews mit Prof. Dr. Olaf Stanger; ausführliche kritische Stellungnahme der DACH-Liga Homocystein und der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V.

In einem Interview mit der Zeitschrift Perfusion nahm Prof. Olaf Stanger von der Universitätsklinik für Herzchirurgie in Salzburg, Präsident der D.A.CH.-Liga Homocystein kritisch zu den beiden Studien Stellung.

So haben einige Teilnehmer der NORVIT-Studie (1) tw. zusätzliche Vitamine eingenommen; es wurden Zweitereignisse in die Studie aufgenommen, die kurz nach dem ersten Infarkt stattgefunden haben, wo also eine Auswirkung der Vitamin-Supplementierung noch nicht erwartet werden konnte; der weitausüberwiegende Teil der Studienteilnehmer nahm zusätzlich Medikamente wie Statine, Betablocker usw., wodurch Aussagen über einen zusätzlichen Effekt von Homocysteinsenkung durch B-Vitamine nur schwer möglich sind.

Ein Problem bei der VISP-Studie (2) liegt darin, dass seit einigen Jahren in den USA Grund­nahrungsmittel mit Folsäure angerei­chert sind, wodurch die Rahmenbedingun­gen völlig andere als z.B. in Europa sind. Ein Folsäure-Mangel tritt dort praktisch nicht mehr auf.

In einer von den Autoren der Studie durchgeführten Subgruppen-Analyse (3) wurde der Vitamin-B12-Status mit dem Krankheitsverlauf in Beziehung gesetzt (ohne Berücksichtigung von Pat. mit gravierendem B12-Mangel und extrem hohen B12-Werten aufgrund von Supple­mentierung). Verglichen wurden hier „high dose“-Gruppe mit „low dose“-Gruppe. Dabei zeigte sich, dass die „high dose“Gruppe ein um 21% geringeres Risiko für ein vaskuläres Zweitereignis wie Schlaganfall, Herzinfarkt bzw. Tod hatte.

Zur Praxis der Folsäure-Anreicherung von Grundnahrungsmitteln in den USA hält Prof. Stanger fest, dass die „Centers for Disease Control“ seit Einführung der entsprechenden Bestimmungen eine deutliche präventive Wirkung der Folsäure-Zusätze in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen feststellen können.

(1) „Norwegian Vitamin Trial“, zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht publiziert, die Ergebnisse wurden beim Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft 2005 vorgestellt.

(2) Toole JF, Malinow MR, Chambless LE; Spence JD et al.: Lowering homocysteine in patients with ischemic stroke to prevent recurrent stroke, myocardial infarction, and death: the Vitamin Intervention for Stroke Prevention (VISP) randomised controlles trial. JAMA 2004;291(5):565-575

(3) Spence JD, Bang H, Cahmbless LE, Stampfer MJ: Vitamin Intervention for Stroke Prevention trial: an efficacy analysis. Stroke 2005;36(11):2404-2409

Das Interview mit Prof. Stanger ist in Heft 1/2006, S. 24 f., der Zeitschrift Perfusion (Offizielles Organ der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung) erschienen. (www.Verlag-Perfusion.de)

Eine ausführliche Bewertung der NORVIT-Studie und kritische Gastkommentare finden Sie ferner auf der Website der D.A.CH-Liga Homocystein (gem. m. Ges. f. angewandte Vitaminforschung).

Lesen Sie dazu auch das Editorial von Prof. Dr. K.-L- Resch aus Heft 1-2006 der Perfusion:

Homocystein: Keine Schwalbe macht noch keinen Winter. (PDF)

PreventNetwork dankt dem Verlag Perfusion für die Genehmigung zur Wiedergabe dieses Textes.
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