Oxidativer Stress
Guter Stress, schlechter Stress – die feine Balance in Blutgefäßen
Wingler, Kirstin; Schmidt, Harald H. H. W.; Dtsch Arztebl 2009; 106; 42; 677–684 

Der Artikel steckt voller Fehler und Widersprüche bzgl. der Maßnahmen gegen oxidativen Stress sowie bzgl. seiner Marker.  Die Autoren haben sich entweder nicht ausreichend über den aktuellen Stand der Wissenschaft informiert – oder stellen (als Partner der Pharmaindustrie mit erkennbarem Interessenkonflikt) den Sachverhalt bewusst einseitig dar. Möglicherweise wollen sie uns damit für unnötige "fundamental neue" (teure) Ansätze oder für neuartige (teure) Diagnostika sensibilisieren.

Die Autoren schreiben, dass "Antioxidantien nicht wirken". Das stimmt nicht. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Antioxidantien, die in einem Netzwerk synergistisch sehr wirksam zusammenarbeiten und auch dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden – das hat die Natur optimal organisiert. Interessanterweise widersprechen sich die Autoren selbst, weil sie im gleichen Artikel die Wirksamkeit antioxidativer Enzyme und nicht-enzymatischer Antioxidantien aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe in Tee, dunkler Schokolade und roten Trauben bestätigen.

Zu Vitamin C und Vitamin E führen sie allerdings eine willkürliche und einseitig negative Auswahl von Studien an, die zum Teil unter Fachleuten keine Beachtung finden, weil ihre Glaubwürdigkeit nicht gewährleistet ist. Sowohl Studiendesign als auch Ergebnisse entsprechen nicht den heutigen Anforderungen (z.B. Bjelakovic, Ristow).

Es stimmt auch nicht, dass die "überwiegende Zahl von Studien" zu Antioxidantien negativ verlief. Die Autoren vermeiden aus unerfindlichen Gründen die Erwähnung einer Vielzahl von Studien, die nach EbM-Kriterien durchgeführt wurden und einen signifikanten und physiologisch begründbaren Nutzen von Antioxidantien bei den unterschiedlichsten Krankheiten belegen. 

Ergänzend sei erwähnt, dass es sehr wohl verschiedene Marker für oxidativen Stress gibt (z.B. Hydroperoxide, Malondialdehyd, Desoxyguanosin) – und diese können heute schon in der Praxis oder im Labor problemlos gemessen werden.  

Dr.med. Udo Böhm
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