Vitamin C
Stellungnahme zum Artikel "Krebsmedizin- Die dunkle Seite des Vitamin C"
in Welt-online vom August 2009  

Der Artikel bezieht sich vor allem auf die Studie "Antioxidant and oncogene rescue of metabolic defects caused by loss of matrix attachment" (Schafer ZT et al.; Nature 2009, 46; 109-115; DOI: 10.1038/nature08268). Dort wird allerdings Vitamin C mit keinem Wort erwähnt. Die Autoren des Artikels behaupten aber auf der Basis dieser Studie einerseits, dass Vitamin C und andere Antioxidantien ähnlich wie erbB2 die Zerstörung von Krebszellen inhibieren, hinterfragen aber gleichzeitig, ob man die Ergebnisse verallgemeinern kann. 

In der Studie von Schafer et al. werden Epithelzellen getestet. Die Ergebnisse lassen sich nun nicht einfach auf den Menschen und auf menschlichen Krebs übertragen. Generell gilt zunächst, dass Apoptose gesunder menschlicher Zellen verhindert werden muss. Das ist überlebensnotwendig. Verschiedene Überwachungs- und Reparatursysteme arbeiten synergistisch zusammen sowohl an der Erhaltung gesunder als auch an der ebenfalls notwendigen Entsorgung kranker und gefährdeter Zellen.

Antioxidantien  beteiligen sich an diesem Konzept. Sie schützen gesunde Zellen vor dem Zelluntergang (reduzieren Radikale, reparieren metabolische Schäden, verbessern ATP-Bildung) und tragen zur Zerstörung kranker Zellen bei. Diese Mechanismen funktionieren im Normalfall sehr gut, können aber auch von (prinzipiell unsterblichen) Tumorzellen in bestimmten Fällen umkehrt und missbraucht werden. Die gegen Ende des Artikels genannten Studien sind nicht korrekt zitiert. Insbesondere die Ristow-Studie kann den geforderten Qualitätskriterien nicht standhalten (s. getrennte Stellungnahme). 

Zusätzlich gilt:
1. In der Primärprävention werden keine hohen Dosen von Antioxidantien benötigt. Etwas anders wird von erfahrenen Mikronährstofftherapeuten nicht behauptet. Antioxidantien sollen in diesem Fall idealerweise über eine optimierte Mischkost mit hohem Anteil an sekundären Pflanzenstoffen und anderen Mikronährstoffen zugeführt werden. 

Für die Dosierungen für die Therapie in pharmakologischen Dosierungen gelten die gleichen Regeln wie in der "Schulmedizin" (Dosis wird nach Studienlage und individueller Situation der Krankheit angepasst).

2. Vitamine und Antioxidantien sind "essentiell". Antioxidantien haben eine wichtige Schutzfunktion, indem sie schädliche Radikale entsorgen, welche zu oxidativem Stress führen könnten. Oxidativer Stress erhöht das Krebsrisiko und ist eine der wichtigsten Quellen für Krankheiten sowie für beschleunigtes Altern. Vitaminmangel führt unumstritten zunächst zu Einschränkungen der Gesundheit, dann zu Vitaminmangelkrankheiten und langfristig zum Tod.

3. Es gibt eine Vielzahl von Studien nach EbM-Kriterien, die signifikant den positiven Nutzen von Vitaminen und Antioxidantien sowohl in der Prävention als auch in der Therapie von Krebs u.a. Krankheiten belegen. Bei Krebs besteht eine zunehmende Evidenz, dass Hochdosistherapie mit Vitamin C effektiv ist. Vitamin C wirkt tumortoxisch (und schädigt gesunde Zellen nicht) und reduziert Nebenwirkungen von Chemotherapie und Radiatio (Stuidenbeispiele im Anhang) 

Zusammenfassung: 
Der Artikel machte einseitige Stimmung, lässt Ausgewogenheit und Wissenschaftlichkeit vermissen und ist nicht seriös. Er vermittelt und vermischt Halbwahrheiten, legt Studienergebnisse falsch aus und stellt die positiven Studien zu Antioxidantien nicht vor. In der Wissenschaft müssen alle Studienergebnisse (negative und positive) vorgestellt und miteinander verglichen werden – erst dann kann eine Entscheidung über den Nutzen einer Maßnahme getroffen werden. 

Autor: Udo Böhm
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