Resümee zum 2. Österreichischen OM-Tag in Wien
Dr. med. R. Schroth während seines Vortrags

Die Orthomolekulare Medizin gewinnt zunehmend mit diagnostischen und therapeutischen Konzepten eine wesentliche Bedeutung in der Präventionsmedizin, sowohl im Rahmen primär als auch sekundär präventionsmedizinischer Aufgaben und daraus resultierender Maßnahmen.

Diese Erkenntnis spiegelt sich wieder in der zunehmenden Nachfrage nach spezieller qualifizierter Weiterbildung orthomolekularer Thematik in den deutsch-sprachigen Ländern (Österreich, Deutschland und der Schweiz). Zur Ergänzung einer Reihe von speziellen Fortbildungsangeboten wurde von der ÖGOM unter der Leitung von Herrn Dr. Rainer Schroth und Herrn Dr. Siegfried Schlett in der Kooperation mit PreventNetwork zu einem jährlichen internationalen Erfahrungsaustausch zwischen Experten und Klinikern zu orthomolekularen Themen der Österreichische OM-Tag in Wien ins Leben gerufen, der am 16.10.2010 zum zweiten mal auf großes Interesse stieß, nicht zuletzt durch seine für die Präventionsmedizin außerordentlich wichtige, ja mediale Thematik.

Thema war: Orthomolekulare Medizin für den Bewegungsapparat

Die Bewertungsskala körperlicher Aktivität geht vom Bewegungsmuffel mit einem ausgeprägten körperlichen "Sitzapparat" bis hin zum hoch trainierten Leistungssportler.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindeutig und ohne Zweifel die positiven Auswirkungen moderater bis anstrengender körperlicher Aktivität auf Körper, Geist und Seele.

Eindeutig bestehen positive Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß körperlicher und geistiger Aktivität, im Besonderen hinsichtlich des präventionellen Hochhaltens geistiger Leistung und Kreativität.

Für Erkenntnis und praktizierte Akzeptanz der Ergebnisse aus einer so einfachen medizinischen Grundlagenforschung bleibt dem modernen Menschen im Zeitalter "Permanenter Zeitgleichheit" und einem Lebensalltag im "24 Stunden Jetlag" kaum ein Freiraum.

In drei Hauptvorträgen am Morgen des OM-Tages gingen die Referenten ein auf:
  • Dr. med. R. Schroth "OM und Sport"
    die physiologischen und orthmolekularen Voraussetzungen eines gesunden Bewegungsapparates mit seinen ossären, muskulären und bindegewebigen Kompartimenten.
  • Dr. med. B. Köhler "Osteoporose anders gesehen"
    die verbreiteste degenerative Erkrankung des Knochens, die Osteoporose – mit wichtigen bisher nur wenig  bekannten wie realisierten, allerdings therapeutisch hoch sensiblen Fakten.
  • Dr. med. A. Vannahme "Fibromyalgie - Keine Chance - Das stimmt nicht"
    die Fibromyalgie als ein schweres Krankheitsbild des gesamten Bewegungsapparates – mit neu zu überdenkenden positiven Therapiekonsequenzen.

v.l.n.r.: Dr. med. B. Köhler und Dr. med. A. Vannahme

Herr Dr. R. Schroth formulierte mit der Aufzeichnung verschiedenster Sportqualitäten von sportlicher Bewegung im Sinne von "dispertare", der Freude an sportlicher Aktivität, forcierten Schrittmaßen, Ausdauer- und Kraftsport und im besonderen sportlichen Trainingsmustern als wichtigste medizinische Fakten: Nur Training induziert Wachstumsprozesse von Muskelzellen, Kapillaren und den intrazellulären Energiequellen, den Mitochondrien unter der wichtigen Voraussetzung: Training muß regelmäßig und lebenslänglich sein: Trainingserfolge sind nicht auf Vorrat speicherbar.

Die orthomolekulare Bedeutung für Qualität und Ergebnisse aller sportlichen Aktivitäten liegt induzierend oder resultierend in Energiestoffwechsel, Fettverbrennung, Immungsystem, Nähsstoff-, Vitamin- und Spurenelement-Profilen, im Antioxidantien-Muster und der Belastung mit freien Radikalen.

Differenziert wurden die Wirkungen, die Defizitfolgen und die Therapieoptionen dargestellt für: die Vitamine B1, B2, B3, B6, B12, C, D und E, Eisen, Selen, Zink und Magnesium, verschiedene Aminosäuren wie Valin, Leucin und Isoleucin, Glucosaminsulfat, Alpha-Liponsäure, L-Carnitin und Ubichinon. Im Rahmen der gesamten zellulären mitochondrialen Energieproduktion wurde gezielt auf die Bedeutung eines sauren Milieus hingewiesen: Zur Freisetzung von Sauerstoff sind Säuren notwendig: Aufwärmphase beim Sport - Cave: Basenzufuhr!

Herr Dr. B. Köhler stellte die Osteoporose, das meist verbreiteste Krankheitsbild des Bewegungsapparates, mit neu gewichteten pathophysiologischen Aspekten dar, charakterisiert durch eine katabole Stoffwechselentgleisung des Knochens mit verminderter anaboler Aktivität als Folge von Bewegungsmangel, Hormonstörungen, Fehlernährung sowie Dauerstress. Die katabolen Hormone für den Knochen sind Cortisol und Thyroxin; die anabolen Hormone für den Knochen sind das Wachstumshormon STH und Testosteron. Der Knochen ist vergleichbar einer Stahlbetonkonstruktion, bestehend aus Bindegewebe mit Silizium- und Schwefelgehalt, seine Elastizität bestimmend, und sekundär eingelagertem Calcium, die Härte des Knochens bestimmend.

Als Take Home Messages resultierten - auch mit differenziertem Diskussionspotential - :
  1. Die üblichen Knochendichtemessungen liefern keine Aussagen über das jeweilige individuelle Osteoporoserisiko.
  2. Das Qualitätskriterium des Knochens ist seine bindegewebige Trabelarchitektur als Maß seiner anabolen Aktivität.
  3. Die Gabe von Vitamin D3 und Calcium steigert zwar die Härte des Knochens, nicht aber seine Belastbarkeit. Bei Störung des ausgewogenen Verhälnisses von Bindegewebe und Calcium im Knochen mit einem Zuviel an Calcium steigt sein Frakturrisiko!
  4. Calcium ist ein klinisch relevanter Magnesium-Antagonist.
  5. Die Anabolie des wichtigen Knochenbindegewebes kann erhalten oder wieder verbessert werden mit Silizium, Magnesium und Testosteron.

Herr Dr. A. Vannahme führte in das Krankheitsbild der Fibromyalgie ein, als zunehmendes Krankheitsbild der modernen 24-Stunden-Gesellschaft mit Dominanz des weiblichen Geschlechtes mit einem Film über die philosophische und historische Bedeutungsentwicklung des Begriffes "Zeit", an dem er selbst mitgewirkt hat.

Nach den ACR-Kriterien von 1990 ist eine Tiefschlafphasenstörung mit der Folge einer generalisierten Tendopathie als äthiologischer Faktor der Fibromyalgie inzwischen gesichert. Die Fibromyalgie hat heute aus dem Blickwinkel der "Lebenskonformen Medizin" realisierbare Heilungschancen: Konzepte der Tiefschlafanbahnung, manueller Medizin, physikalischer Behandlung sowie kognitiver Verhaltenstherapie wurden vorgestellt.

Zur Ergänzung und Vertiefung gezielter Aspekte aus den Hauptvorträgen des Vormittags folgten am Nachmittag drei Workshops zu den Themen:
  • Dr. med. S. Schlett "Hormone und Bindegewebe"
  • Dr. med. Th. Endler "Mikronährstoffuntersuchungen bei Gelenkerkrankungen"
  • Frau H. Amon-Aspalter "Top five bei Osteoporose und Top five Fehler"

v.l.n.r.: Dr. med. S. Schlett, Dr. med. Th. Endler und Frau H. Amon-Aspalter

Herr Dr. S. Schlett zeichnete die Grundbausteine des Bindegewebes auf in seiner Mikroarchitektur, die Bedeutung wichtiger Botenstoffe wie Hyaluronsäure, Proteoglycane und Glucosaminglycane für eine gesunde Bindegewebsfunktion und im Besonderen die anabolen Effekte von Östrogenen, Progesteron und Testosteron sowie die katabolen Wirkungen von Cortison auf die Kollagenfunktionen. Cortison blockiert die Hyaluronsäurebildung der Fibroblasten. Auf der Basis einer Praxisstudie wurde die Bedeutung von Vitamin D für die bindegewebige Zellintegration diskutiert.

Bewegung gilt als ein positiver Bindegewebsreiz: Bewegung entschlackt das Bindegewebe, Bewegung führt dem Bindegewebe Nährstoffe, Botenstoffe und Hormone zu.
Gesunde Bewegungsabläufe brauchen gesundes Kollagen und gesunde Knochenstrukturen.
Gesundes Kollagen und gesunde Knochen brauchen kontinuierlich garantiert Mikronährstoffe, Spurenelemente und Vitamine unter einem differenzierten hormonalen Regime. Korrekte Substitutionskonzepte setzen exakte Defizitanalysen voraus.

Herr Dr. Th. Endler  stellte - besonders auch in der Abgrenzung zu entzündlichen und rheumatischen Krankheitsbildern – für die Diagnostik degenerativer össärer und binde-gewebiger Prozesse spezifische Laborparameterprofile vor zur Analyse betreffend: Oxidativen Stress, Mikronährstoffe, Vitamine, Aminosäuren, Fettsäuren, Coenzym Q10, Hormonstatus bei Mann und Frau, Schilddrüsen- und Nebennieren-Funktionen und arthrotische wie rheumatische Gelenkveränderungen.

Abgerundet wurde das intensive theoretische Wissens-update der orthomolekularen Basis für gesunde Bewegungsmuster bis zum trainierten Leistungssport durch ein praktisches physiotherapeutisches Übungsprogramm.

Frau H. Amon Aspalter stellte zwei Übungsprogramme vor:
Kraft- und Koordinationsbasics und spezielle Übungen für den Osteoporosepatienten mit den Zielen der präventiven Gesunderhaltung des Bewegungsapparates, der Verbesserung des Knochen-, Muskel-und Bindegewebsstoffwechsels, physiotherapeutischer Maßnahmen zur Schmerzreduktion und Rehabilitation. "Bewegung alleine ist nicht genug: entscheidend ist die richtige und optimale Haltungs- und Bewegungsqualität". Für die Teilnehmer war es Aufforderung wie Vergnügen, die Qualität von Haltung und Bewegung auch im eigenen Alltag kritisch überprüfen zu können.

Der 2. Österreichische OM-Tag war ein voller Erfolg, ausgerichtet mit exzellenten Referenten zu Kardinalthemen der Präventionsmedizin:

Bewegung und Sport als Navigationsprogramm für Gesundheit
und Lebensqualität mit der Voraussetzung orthomolekularer Gesundheit.


Die Veranstaltung lief in ausgesprochen angenehmer Atmosphäre ab. Viel Wissens- und Erfahrungsaustausch lief ab zwischen Experten und Klinikern, angeregt durch gute PRO- und KONTRA-Diskussionen. Unterstützend fand eine kleine spezifisch ausgerichtete Pharma-Ausstellung statt.


v.l.n.r.: Frau Dr. R. Schäffer, Frau Dr. A. Gorlt,  Frau Prof. Dr. J. Schreiner-Hecheltjen (Autorin)

Der OM-Tag 2010 war ein gutes Treffen vieler "Familienmitglieder der Orthomolekularmedizin". Jeder konnte aktualisierte klinisch relevante Wissensdaten mit in den eigenen Praxisalltag nehmen. Der 2. OM-Tag war eine Fortbildung von Klinikern und Experten für den Kliniker und den orthomolekular arbeitenden Praktiker.

Allen Ausrichtern des 2. OM-Tages gilt großer Dank. Wünschenswert wäre, dass der von der ÖGOM unter der Leitung von Dr. R. Schroth und Dr. S. Schlett in enger Kooperation mit PreventNetwork ausgerichtete OM-Tag zu einem bleibenden jährlichen Wissensabgleich für
den praktisch tätigen Orthomolekularmediziner werden würde.


Essen, 25. Oktober 2010
Prof. Dr. med. Josefa Schreiner-Hecheltjen, MSc
Master of Preventive Medicine

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