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26. Jun 2014
Orthomolekulare Unterstützung bei der Absetzung von Benzodiazepin-Medikation
Orthomolekulare Unterstützung bei der Absetzung von Benzodiazepin-Medikation
(Fachinformation für Ärzte)
Vor Jahren gab es im Schweizer Fachblatt „Pharma-Kritik“ (Infomed-Verlag) einen Artikel über „Nutzen und Risiken der Benzodiazepine“ (1). Darin werden verschiedenen Studien referiert, die sich mit der Therapie von Panikattacken auseinandersetzen, wobei der größere Teil dieser Studien wurde mit Alprazolam (Xanax®) durchgeführt wurde. Zu den Problemen mit Alprazolam heißt es in dem Beitrag:
„Ausgeprägte Entzugssymptome sind ein häufig auftretendes Problem nach einer Behandlung mit Alprazolam. Dieses Medikament scheint ein hohes Abhängigkeitspotential zu besitzen; der Entzug gestaltet sich in der Regel äußerst schwierig oder misslingt. Gemäß Erhebungen einer amerikanischen Konsumentenorganisation («Consumers’ Association») ist Alprazolam heute das Benzodiazepin, das am häufigsten zur Abhängigkeit führt. Werden hohe Dosen verwendet, […] so ist das Abhängigkeitsrisiko besonders groß. Die Halbwertszeit von Alprazolam ist mit 12 Stunden vergleichsweise kurz. Entzugssymptome treten mitunter schon im Intervall zwischen zwei Einnahmen auf, sogar wenn Alprazolam dreimal täglich eingenommen wird.“

Im März 2014 ist im Newsletter des OMNS (Orthomolecular Medicine News Service) ein interessantes Fallbeispiel (2) vorgestellt worden, wie mit orthomolekularer Unterstützung das Absetzen von Xanax ohne große Belastung für den Patienten sogar beschleunigt werden konnte. PreventNetwork fasst den Beitrag zusammen.

Der Patient war ein Mann mittleren Alters, der über 2 Jahre täglich 1 mg Xanax einnahm. In dieser Zeit nahmen die Angststörungen zu, Tinnitus stellte sich ein, eine Persönlichkeitsveränderung wurde vermerkt. Gewöhnlich werden beim Alprozalam-Entzug Substitutionsmedikamente verwendet, der Entzug läuft über mehrere Wochen, auch Monate. Im beschriebenen Fall konnte der Mann unter hoher Supplementierung von Niacin, GABA, Magnesium und Vitamin C das Alprazolam in einer Woche um 60% reduzieren, in weniger als einem Monat erreichte er 10% der ursprünglichen Dosis, also 0.1 mg/Tag. Er gab an, zwar noch etwas Beklommenheit zu haben, aber wesentlich weniger als während der vollen Medikamentendosis von 1 mg/Tag. Nach 5 Wochen hatte er Xanax komplett abgesetzt. Die verbleibende Angst war minimal.

Die im Beispielfall eingesetzten Dosierungen:
Niacin    - 6.000 – 12.000 mg/Tag (verteilt auf mehrere Gaben zu je 1000 mg, auf 24 Stunden verteilt), wobei der Patient unter der höchsten Dosierung die stärkste Abnahme der Angst erfuhr.
Vitamin C – nach Darmtoleranz
GABA – 2x 750 mg/Tag (in der ersten Woche 3x 750 mg)
Magnesiumcitrat – 400 mg/2x Tag
Methylcobalamin – 2x 5000 µg sublingual/Woche
Außerdem trank der Patient in der ersten Woche täglich ca. 1 l Brühe aus Roter Bete und Kohl.

Nebenwirkungen nach Angabe des Patienten:
Angstzustände, mit denen er aber gut umgehen konnte.
Gesteigerter nächtlicher Harndrang - Zur Reduzierung wurden die abendlichen Gaben von Niacin als Inositol-Hexaniacinat genommen (ca ¼ der Tagesmenge). Niacinamid ist nicht geeignet, da es bereits ab 6000 mg/Tag stärkere Schwindelgefühle auslösen kann.
Fallweise leichte Schwindelgefühle, die vermutlich mit der GABA-Einnahme zusammenhingen.

Zum Wirkmechanismus von Niacin:
Der gemeinsame Faktor der Niacingabe in verschiedenen Verbindungen ist das NAD (Nicotinamidadenindinukleotid). Der therapeutische Effekt entsteht vermutlich durch den Anstieg des NAD-Spiegels. NAD ist an über 450 Reaktionen im Organismus beteiligt – vom Stoffwechsel von Medikamenten bzw. xenobiotischen Substanzen über den Steroidmetabolismus bis zur Bildung von ATP.
Es wird angenommen, dass Niacin an der Aufrechterhaltung der Neurotransmitter-Homöostase beteiligt ist, die gewöhnlich im Gehirn von Angst-Patienten gestört ist (3).
Xanax induziert die Expression von CYP3A4, das seinerseits für den Abbau der Xanax-Moleküle zuständig ist. Die enzymatische Reaktion hängt vom Vorhandensein von NAD ab, das aus dem Niacin der Nahrung gebildet wird. Um das Medikament zu verstoffwechseln, braucht es also das Medikament, das Enzym und NAD als Kofaktor. Personen, die Xanax nehmen, haben gewöhnlich hohe Spiegel der Droge und des Enzyms, aber zu wenig NAD, wodurch der Abbau begrenzt ist.
Die Gabe hochdosierten Niacins erhöht die NAD-Bildung, wodurch die Verstoffwechslung von Alprazolam rascher vor sich geht.
Zum Wirkmechanismus von GABA:
GABA ist einer der wichtigsten inhibitorischen Neurotransmitter im Gehirn. Obwohl oral eingenommene GABA die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet, entfaltet sie eine beruhigende Wirkung. Bei Xanax-Entzug ist der GABA-Spiegel niedrig, ein erhöhter GABA-Spiegel wirkt beruhigend und verbessert die Schlafqualität.
Zum Wirkmechanismus von Vitamin C:
Hochdosiertes Ascorbat ist ein starkes Antitoxin (4) und wurde deshalb in diesem Fall in die orthomolekulare Supplementierung aufgenommen. Bei Benzodiazepin-Entzug treten u. a. grippeähnliche Symptome auf, die mit Vitamin C gebessert werden können. Es unterstützt außerdem die Leber.
Zum Wirkmechanismus von Magnesium:
Fast alle Medikamente depletieren Magnesium. Deshalb ist Magnesiumsupplementierung auf jeden Fall sinnvoll. Nächtliche Bäder mit Epsomsalz und die Einnahme von je 400 mg Magnesiumcitrat morgens und abends fördern die Ausscheidung von Alprazolam.

Fazit:
Die Begleitung des Alprazolam-Entzugs mit hochdosiertem Niacin, GABA und Vitamin C kann die Entgiftung deutlich beschleunigen und die Entzugserscheinungen reduzieren.
Weitere therapeutische Untersuchungen sind zu wünschen.

(1) Frei, Andreas: Nutzen und Risiken der Benzodiazepine: Neuere Aspekte. Pharmakritik 15 (1993), Nr. 2.
(2) Penberthy WT, Saul WS. Supplements Accelerate Benzodiazepine Withdrawal. A Case Report and Biochemical Rationale. OMNS March 18, 2014.
(3) Prousky JE. Niacinamide's Potent role in alleviating anxiety with its benzodiazepine-like properties: a case report. J Orthomol Med, (2004), 19(2): 104-110.
(4) Levy TE. Curing the Incurable: Vitamin C, Infectious Diseases, and Toxins, 3rd Edition, Livon Books, 2009, ISBN: 978-0977952021.


Produkthinweise:
Bei höheren Dosierungen ist es besonders sinnvoll, Präparate ohne überflüssige Zusatzstoffe einzusetzen, um den Organismus nicht mit unnötigen Substanzen zu belasten. Internationale Hersteller bieten solche Präparate.

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