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Vitamin C

Juni 2001: Zu den Medienberichten über angeblich krebserregende Wirkung von Vitamin C.
Ein Musterbericht über die an der University of Pennsylvania durchgeführte Studie mit einer Stellungnahme von Prof. Dr.med.vet. Klaus Pietrzik, Bonn, Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung


Genetische Schäden durch Vitamin C? - Krebs durch Vitamin C?
Zur Mediendebatte um eine Studie   

Mitte Juni 2001 kam Vitamin C in die Schlagzeilen der Medien.
Die nachfolgende Meldung entnehmen wir - als Beispiel für die Tendenz der Berichterstattung - der FAZ vom 16. Juni 2001:

"Genetische Schäden durch Vitamin C"
R.F. FRANKFURT, 14. Juni.

Vitamin C besitzt offenbar nicht nur gesundheitsfördernde Eigenschaften, sondern kann ebenso sehr schaden. Bislang hatte man angenommen, daß das Vitamin C das Erbmaterial und andere lebensnotwendig Biomoleküle schützt, weil es reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen entschärft. Wissenschaftler des Zentrums für Krebspharmakologie der Universität von Pennsylvania in Philadelphia haben bei Versuchen an Zellkulturen im Reagenzglas entdeckt, daß Vitamin C auch die Bildung von Genotoxinen fördert, also von Substanzen, die das Erbgut schädigen.

Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift "Science" berichten, führen diese Genotoxine an der Erbsubstanz zu Veränderungen, die beim Menschen Krebs verursachen können. Das Vitamin C greift nicht direkt die Desoxyribonukleinsäure des Erbguts an, sondern an der wichtigsten, in Pflanzenölen enthaltenen ungesättigten Fettsäure, der Linolsäure. Der chemische Angriff führt zu einem reaktiven Produkt, einem Hydroperoxyd, das ähnlich gefährlich ist wie die Sauerstoffradikale, die das Vitamin C ständig zerstört. Schon früher hatte man - ebenfalls im Reagenzglas - Hinweise dafür gefunden, daß das Vitamin C genetische Schäden verursachen kann.

Bislang ist allerdings unklar, ob es auch im menschlichen Organismus zu solch gefährlichen Reaktionen kommt. Daß die regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Erwartungen bei der Prävention von Krebs nicht erfüllt hat, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler mit den widersprüchlichen Eigenschaften - Schutz der Erbsubstanz einerseits, Schädigung andererseits - zusammenhängen.

PreventNetwork bekam dazu die folgende Stellungnahme des Präsidenten der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. (Hervorhebungen durch die Redaktion):
Prof. Dr.med.vet. Klaus Pietrzik
Institut für Ernährungswissenschaft
Abt. Pathophysiologie der Ernährung
Universität Bonn
    
Endenicher Allee 11-13
D 53115 Bonn
Tel. +49-228-733753
 k.pietrzik(at)uni-bonn.de


Stellungnahme der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung
zur aktuellen Berichterstattung zu Vitamin C

Die durchweg negative Berichterstattung zu möglichen Nebenwirkungen von Vitamin C basiert auf einer aktuellen Veröffentlichung (15. Juni 2001) eines Forscherteams der University of Pennsylvania (Lee SH, OE T, Blair IA: Vitamin C-induced Decomposition of Lipid Hydroperoxides to Endogenous Genotoxins. Science 2001; 292:2083-2086).

Die Autoren haben im Rahmen von Reagenzglasuntersuchungen unter Bedingungen, wie sie in lebenden Organismen nicht vorkommen, so genannte Lipidhydroperoxylradikale mit Vitamin C reagieren lassen und beobachtet, dass unter diesen Bedingungen die Lipidhydroperoxylradikale weiter reagieren können. Die dabei entstehenden Substanzen gehören in die Klasse der Genotoxine, die in Zellsystemen zu einer DNA (Erbsubstanz)-Schädigung führen können.

Die Autoren verwendeten in ihren Experimenten Vitamin-C-Konzentrationen, die durchaus den Verhältnissen beim Menschen (nach regelmäßiger Einnahme von 200 mg Vitamin C / Tag) entsprechen. Hingegen wurde die Konzentration der Lipidhydroperoxide mit 400 µmol/l (!) im Reagenzglas angesetzt, eine Konzentration, die weit außerhalb von physiologischen Gegebenheiten in lebenden Zellen liegt.

Damit wurde ein Milieu geschaffen, das stöchiometrische Reaktionsabläufe zulässt, wobei eine bestimmte Anzahl von Vitamin-C-Molekülen mit einer bestimmten Anzahl von Lipidhydroperoxiden reagieren kann.

In biologischen Systemen sind weder derartige Relationen der genannten Reaktionspartner möglich, noch begegnen sich beide Verbindungen aufgrund unterschiedlicher Kompartimentierung im wässrigen Milieu (Vitamin C) bzw. in der Lipidphase (Lipidhydroperoxide).

Der Forschungsleiter Dr. Ian Blair stellte auf Anfrage von Medien klar, dass diese Ergebnisse auf keinen Fall darauf hindeuten, dass Vitamin C Krebs verursacht. Er wird wie folgt zitiert: "Absolutely for God's sake don't say vitamin C causes cancer" (Um Himmels willen, sagen Sie nicht, Vitamin C würde Krebs verursachen).

Dagegen läuft nahezu die gesamte Berichterstattung in den Medien genau in diese Richtung. So lauten aktuelle Überschriften:
"Forscher warnen: Krebs durch Vitamin C verursacht" (Bild Online-Aktuell vom 18. Juni 2001); "Krank durch Vitamine" (Kurier online vom 16. Juni 2001) und weitere Formulierungen werden gewählt, die zu einer nicht zu verantwortenden Verunsicherung des Verbrauchers führen.

Hingegen gilt als erwiesen, dass Vitamin C in biologischen Systemen als Antioxidans wirkt und gemeinsam mit anderen Antioxidantien (z.B. Vitamin E) die Bildung von Lipidhydroperoxylradikalen verhindert und damit vor degenerativen Erkrankungen schützen kann. Zudem verfügen lebende Zellen über biologische Systeme (Enzyme), die derartige Substanzen abfangen und entgiften.

Speziell vor diesem Hintergrund wurden die Empfehlungen zur täglichen Vitamin-C-Zufuhr angehoben (Referenzwerte von Deutschland, Österreich, Schweiz, aber auch USA und Kanada u.a.), und die Experten haben als unbedenkliche und tolerierbare tägliche Aufnahme 2g Vitamin C bei langfristiger regelmäßiger Einnahme festgelegt (Food Nutrition Board, Institute of Medicine, USA/Kanada).

Dass dennoch die vorliegenden Ergebnisse aus Reagenzglasuntersuchungen als Warnung für die Entstehung von Krebserkrankungen interpretiert werden, zeugt einerseits von der Unkenntnis biologischer Regulationsmechanismen, andererseits von dem Bedürfnis zu spektakulärer Berichterstattung bei unzureichendem Verständnis für die im Experiment gezeigten Ergebnisse.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Reagenzglasbefund durchaus von Interesse und gibt weitere Einblicke in das breite chemische Reaktionsverhalten von Vitamin C, jedoch sind die so erzielten Ergebnisse nicht auf biologische Systeme und damit den Menschen übertragbar. Beim Menschen kann es ebenfalls zur Bildung von Lipidhydroperoxiden kommen (z.B. infolge einer unzureichenden Antioxidantienkombination der Vitamine C und E).

Derartige Verbindungen (Lipide) befinden sich üblicherweise in der Fettphase der Zellmembran und sind für das wasserlösliche Vitamin C nicht zugänglich, so dass in biologischen Systemen (Zellen) ein weiterer Abbau durch Vitamin C zu sogenannten Genotoxinen (wie im Reagenzglas beobachtet) nicht vorkommen dürfte. Falls dennoch Lipidhydroperoxide oder Bruchstücke davon aus der Membran freigesetzt werden, würden diese nicht in molekulardisperser Form vorliegen, sondern es würden sich sofort Aggregate z.B. mit Albumin bilden, die vor einer weiteren Schädigung schützen.

Die hohe Albuminkonzentration in menschlichem Blut ist mit dafür verantwortlich, dass menschliches Leben überhaupt möglich ist, da sonst (wie unter obigen Reagenzglasbedingungen gezeigt) eine Entgiftung vieler köpereigener Fremdstoffe (die regelmäßig im Stoffwechsel anfallen) überhaupt nicht möglich wäre.

In Kenntnis dieser Zusammenhänge muss die aktuelle Berichterstattung der Medien in Teilen als unseriös bezeichnet werden, und es scheint, dass diese nicht den Schutz des Verbrauchers, sondern eher dessen Verunsicherung zum Ziel hat.

Die bisher vorliegenden Stellungnahmen wissenschaftlicher Institutionen und Fachgesellschaften (Linus Pauling Institute, British Nutrition Foundation, Council for Responsible Nutrition, Pharmaceutical Association of Great Britain) distanzieren sich einhellig von der überzogenen Darstellung in den Medien und versuchen eine Richtigstellung unter Einordnung der Ergebnisse in biologische Systeme, wobei unisono zum Ausdruck kommt, dass experimentelle Ergebnisse aus Reagenzglasuntersuchungen nicht als solche auf den Menschen übertragbar sind.

Bonn, den 19. Juni 2001
GVF, Für den Vorstand:
Prof. Dr. K. Pietrzik,
Präsident GVF


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